Die Mordwaffe...

Zeit für die Mordwaffe…

Heute nutze ich die Zeit, um an meinem neuen Krimi weiter zu schreiben. Passend zu Halloween wirds auch ein bisschen gruselig. Das heißt, ich habe eine der „Mordwaffen“ selbst hergestellt… Schon unsere Ahnen haben aus Knochen einiges konstruiert, Urvölker tun es heute ebenfalls noch. Warum also nicht den Versuch wagen? Nun, eines kann ich schon mal sagen: Wer einen Hühnerknochen derart bearbeitet, darf keine gute Nase haben. Das stinkt wirklich extrem, wenn man den Knochen mit einem Schleifer so in Form bringt. Spitz und scharf geschliffen wäre das Teil gut dafür geeignet, die eine oder andere Halsschlagader nachhaltig zu beschädigen. Das habe ich natürlich nicht getestet, doch der Mörder in meinem Krimi nutzt ein Knochenmesser. Überhaupt hat er es gerne mit außergewöhnlichen Tatwaffen zu tun und es schient sich um einen Ritualmörder zu handeln. Immer wenn er einen Mord begeht, hinterlässt er einen Text bei den Opfern: Ein Märchen, das sich in die Realität überträgt. So eines wie dieses:

Dies ist die Geschichte von Sonnentau – der Prinzessin, die lebte auf Kühkopfau,
in jenem Reiche, das regiert wurde schon sehr lange von Rheyngoldes‘ Thron.
Ihr großes Herz voll unendlicher Güte brachte das Reich erst gänzlich Blüte.
Nun folget mir nach in die schönen Gefilde, die voll Wunder, Großmut, und unendlicher Milde…

Prinzessin Sonnentau lebte in einem schönen, großen Schloss, das umgeben war von einer weiten, bunten Aue. Sie war noch eine junge, kleine Prinzessin, als Mutter Rheynegold ihr die ersten Aufgaben des Standes übertrug. Früh übte sich schließlich, wer einst die Königin werden wollte.
So empfing Sonnentau bald die ersten Untertanen, wie die Hofnarren und Spielmänner, hielt einfache Audienzen ab, und besuchte auf Wanderungen das Volk draußen im Reich.
Auf grünen, satten Wiesen lebte das Duftvolk, dem Prinzessin Sonnentau in den warmen Monaten täglich eine Audienz gewährte. Bunt lachende Gesichter empfingen und umjubelten sie und auch die summenden Vagabunden und fliegenden Händler, die oft Gäste beim Duftvolk waren, winkten Sonnentau zu. Bunte Gaukler turnten gekonnt durch die Lüfte, landeten auf ihrer Nase, oder auf ihrem Kopf, vollführten halsbrecherische Luftakrobatik. Magier wie Federgeistchen tarnten sich im Grün der Lichtung, andere zauberten über Nacht Perlschnürennetze zwischen die Grashalme.
Die Hofnarren brachten Prinzessin und Königin zum Lachen, spielten mit Sonnentau Verstecken und Fangen.
In den Hainen rundherum, den Hollerbeer- und Schlehenbüschen, in Quitten- und Maubeerbäumen saßen die Spielmänner, boten jeden Tag ihr herrliches Konzert dar. In den Wiesen und Gräben lebten die Geiger, die abends ein Gute-Nacht-Lied zirpten.
Besonders schön war es, wenn Prinzessin Sonnentau auf dem Thron saß, in rotes Samt gekleidet, und dabei dem Konzert lauschte. Und sie darauf harrte, dass die Königin wieder von ihrer fast täglichen Reise in ein fernes Reich zurückkehrte, von dort gut Speis und Trank mitbrachte. Ins ferne Moguntia reiste sie erst seit einem Sommer, um dort wichtige Geschäfte für das Reich zu tätigen.

Seit jener Zeit war es auch Herzog Klaus der Dicke, der Sonnentau mit Speis und Trank versorgte, wenn die Königin abwesend war. Er war ein unflätiger, kalter, rauer und grober Gesell.

Eines Tages saß Prinzessin Sonnentau wie so oft zuvor auf dem Thron, in ihr samtiges Kleidchen gehüllt, und lauschte dem Chor, fieberte der Ankunft der Königin entgegen.
Doch anstatt Rheynegold betrat der Herzog den Saal. Und er hatte den Hofnarren Casimir mitgebracht. Der trug ein flauschiges, weißgraues Fell, lange Löffelohren und war sehr gut beim Fangen-Spiel. Er war ein echter Hofnarr und so umspielte stets ein Lächeln ihre Lippen, sobald Casimir irgendetwas tat.
Der hing nun an der Hand von Klaus dem Dicken, blickte lächelnd und erwartungsvoll mit großen Augen zur Prinzessin. Er zappelte behände mit seinen Beinen, wirbelte sie durch die Luft und schien aufs neue Wettrennen zu warten. Er wollte zu ihr.
Auch Sonnentau freute sich und fühlte fast das samtige Fell zwischen ihren Fingern.

Casimir spürte kaltes Metall an seinem Hals, er zuckte kurz, als sei er vom Leibhaftigen besessen. Dann röchelte er für einen Moment, und warmes Blut spritzte der Prinzessin ins Gesicht.

Es war karminrot wie ihr samtiges Kleidchen.

Klaus der Dicke spießte Casimirs Hals am Deckenhaken auf, nachdem das Zucken aus ihm gewichen war, sodass das restliche Blut aus ihm strömte, in eine Schüssel am Boden tropfte.

Doo guck, jetz is es endlich hie – des alte dolle Hasevieh.
Jetz zieh ich em des scheene Fell übber Ohrn und übber Pell,
un schlitz em uff de fette Ranze, donn fällt eraus aus em des Ganze.
Es Herz, die Niercher un Gedärm, die Lebber, Lunge und es Herrn.
Was schmeckt des Häsje doch so gut. – Stell dich net ooh, dess is nur Blut!

Klaus der Dicke lachte kurz, wischte sich die Hände ab und verließ den Raum.

Prinzessin Sonnentau stand da und sah in die monströsen Totenaugen, die sie anstarrten, so wie Augen Verräter nur anstarren konnten…

Die Prinzessin wischte sich das Blut aus dem Gesicht, und besann sich der Moral von der Geschicht: Und wenn er nicht selbst sterben würd, so mordete er weiter…

 

Es ist noch nicht perfekt, ebenso nicht der Krimi. Aber am Ende ist das wie mit dem Knochen: Wenn ich noch ein wenig daran feile, die Ecken und Kanten beseitige, den Text zuspitze und abrunde, seinen blutroten Faden noch mehr herausarbeite, dann wird die Sache schließlich so scharf wie ein Messer… 😉

Ein Gedanke zu „Zeit für die Mordwaffe…

  1. Pingback: Die Tatwaffe… – Grünschreiber

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